Liebe Eltern,

wenn Sie diese Seite lesen, sind Sie vielleicht gerade Mutter oder Vater eines Babys mit Down-Syndrom geworden. Wir möchten Ihnen unseren herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihres Kindes aussprechen. Vielleicht sind Sie erstaunt darüber, dass wir Ihnen zu Ihrem Baby gratulieren? Ein Baby mit Down-Syndrom ein Grund zur Freude?

Ihr Kind ist überraschend anders als das Baby, das Sie voller Hoffnung und Zukunftspläne erwartet haben. Vielleicht sind Sie verzweifelt. Wie konnte das passieren? Sie fragen sich: Warum hat ausgerechnet unser Baby Down-Syndrom? Was bedeutet dieses Down-Syndrom genau? Wie wird das Leben mit diesem Kind aussehen?

Wir verstehen, wie Ihnen zumute ist. Wir kennen die verzweifelten Fragen. Wir verstehen Ihre Traurigkeit, Ihren Schmerz, weil wir dies genauso erlebt haben. Wir möchten Sie über das Down-Syndrom informieren und Ihnen für das Leben mit diesem besonderen Baby Mut machen.

Es gibt keine Schuld

Einige suchen nach einer „Schuld“. Wieso haben ausgerechnet wir dieses Kind bekommen? Es gibt ab und zu Missverständnisse darüber, was das Down-Syndrom verursacht hat. Eltern fragen sich: Was haben wir falsch gemacht? Das Down-Syndrom Ihres Babys wurde aber nicht verursacht durch etwas, das Sie getan oder nicht getan haben. Down-Syndrom ist eine genetische Besonderheit, die zufällig auftritt. Sie kann weder verhindert noch von jemandem kontrolliert werden. Sie trifft keine Schuld! Niemand hat daran Schuld.

Ihr Baby braucht viel Liebe

An erster Stelle ist dieses Baby Ihre kleine Tochter, Ihr kleiner Sohn; es ist das mit Ungeduld erwartete Geschwisterchen für Ihre anderen Kinder und das neue Enkelkind für die Großeltern. Es wird in Ihre Familie hineinwachsen und am Familienleben teilnehmen. Es hat das Recht auf einen Platz innerhalb Ihrer Familie.

Allmählich werden Sie erkennen, dass die Tatsache, dass Ihr Baby Down-Syndrom hat, zweitrangig ist, in erster Linie ist es ein Individuum mit den genau gleichen Bedürfnissen wie jedes andere Baby. Und es wird Ihnen genauso viel Freude und Glück bringen. Die liebevolle Annahme in der Familie ist die wesentlichste Voraussetzung für eine positive Entwicklung Ihres Babys.

Feiern, Geburtsanzeige, Fotos

Vergessen Sie nicht, die Geburt des Kindes zu feiern, auch wenn das Baby nun anders ist als erwartet. Schließlich ist die Geburt eines jeden Kindes ein großes, einmaliges Ereignis und gehört zu den Höhepunkten in unserem Leben. Ihr Baby soll spüren, dass Sie es annehmen,  dass Sie sich freuen und einfach glücklich sind, dass es nun da ist.

Und verschicken Sie auch die schon vorbereitete Geburtsanzeige. Mit einem kleinen zusätzlichen Text können Sie Verwandte und Freunde darauf hinweisen, dass das Baby Down-Syndrom hat. Vielleicht können Sie gleichzeitig eine Kurzinformation zum Down-Syndrom beilegen. So sind gleich alle darüber aufgeklärt.

Und vergessen Sie nicht, Fotos vom neuen Familienmitglied zu machen! Viele Eltern sagen später, dass sie es bereuen, aus der ersten Zeit gar keine Bilder zu haben.

Stillen

Versuchen Sie, Ihr Baby zu stillen, auch wenn es vielleicht anfangs mühsam ist. Dieser Kontakt zwischen Mutter und Kind schafft eine innige Bindung. Außerdem ist Muttermilch der beste Schutz gegen Infektionen. Für Babys mit Down-Syndrom ist das Saugen an der Brust auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie häufig eine herabgesetzte Muskelspannung (Hypotonie) haben, und durch das Saugen werden die Zungen-, Mund- und Gesichtsmuskeln angeregt.

Falls das Stillen in der ersten Zeit nicht gleich klappt, kann eine Hebamme oder Stillberaterin Ihnen vielleicht Tipps geben und Ihnen dabei helfen, das Baby zum Saugen anzuregen. Es gibt außerdem hilfreiche Literatur zu dem Thema. Geben Sie nicht zu schnell auf, viele Mütter haben es geschafft, ihr Baby mit Down-Syndrom zu stillen, und sind darüber ganz glücklich.

Die Nachricht verbreiten

Obwohl es Ihnen vielleicht schwer fallen wird, Verwandte, Freunde und Nachbarn über Ihr Baby zu informieren, sollten Sie dies so bald wie möglich tun. Ihre Mitmenschen werden anfangs mit dieser unerwarteten Situation auch Schwierigkeiten haben. Sprechen Sie offen über Ihr Baby und über das Down-Syndrom. Dies wird Ihnen mit der Zeit immer leichter fallen und Ihnen dabei helfen, die Diagnose zu verarbeiten.

Wenn Sie ganz natürlich mit Ihrem Baby umgehen, werden das auch andere machen. Indem Sie erzählen, welche Besonderheiten das Baby hat und welche Förderung es bekommt, können Sie Ihren Bekanntenkreis sensibilisieren. Sie werden merken, dass die meisten Menschen sich für das Wohlergehen Ihres Kindes interessieren. Auch werden Sie feststellen, dass einige durchaus schon Erfahrungen mit Menschen mit Down-Syndrom haben. Wenn Sie schweigen, fällt es auch Ihren Mitmenschen schwer, die richtigen Worte zu finden.

Und was ist mit den Geschwistern?

Vielleicht machen Sie sich große Sorgen um die Reaktionen Ihrer anderen Kinder? Wie kann man ihnen erzählen, dass das neue Geschwisterchen „anders“ ist? Oder soll man ihnen zunächst besser gar nichts sagen?

Ihre anderen Kinder werden jedoch Ihre Trauer spüren und sie werden dies nicht verstehen. Hatte man nicht monatelang freudig auf das neue Baby gewartet? Deshalb ist es ratsam, ihnen bald zu erklären, dass das Baby ein wenig anders ist als die meisten anderen Kinder, dass es nicht so schnell lernt wie sie und vielleicht mehr Hilfe braucht. Sie werden sehen, dass die Geschwister keine Schwierigkeiten haben werden, das neue Familienmitglied zu akzeptieren.

Was bewirkt die Trisomie 21?

Jedes Kind, auch ein Kind mit Down-Syndrom, ist ein einzigartiges Wesen mit individuellem Aussehen, Temperament und geistigen Fähigkeiten. Bald werden Sie bei Ihrem Kind die Familienähnlichkeit entdecken.

Das Einzige, was Menschen mit Down-Syndrom gemeinsam haben, ist das Syndrom selbst und dies kann sich enorm unterschiedlich auswirken. Zwar prägt das zusätzliche Chromosom 21 das Aussehen und die Entwicklung eines Kindes und kann eventuell seine Gesundheit beeinflussen, jedoch sind die Merkmale der Trisomie 21 nie bei allen Kindern gleich ausgeprägt.

Verschiedene Probleme wie eine Schwäche des Bindegewebes und der Muskeln, Infektanfälligkeit und eine Fehlfunktion der Schilddrüse können auftreten. Auch angeborene Herzfehler oder Veränderungen im Magen-Darmbereich kommen vermehrt bei Menschen mit Down-Syndrom vor. Die meisten Probleme sind durch geeignete Maßnahmen weitgehend therapierbar und beeinträchtigen deshalb nicht die Lebenstüchtigkeit.

Im Allgemeinen wird sich das Baby während der ersten Lebensmonate nicht anders verhalten als gleichaltrige Babys. Vielleicht schläft es mehr und bewegt sich noch nicht so kräftig. Die meisten Eltern empfinden Babys mit Down-Syndrom als besonders ruhig und genügsam.

Wie wird sich das Baby entwickeln?

Genau wie bei anderen Kindern lässt sich nicht voraussagen, wie sich Ihr Baby entwickeln wird.

Sie müssen davon ausgehen, dass die Entwicklung insgesamt langsamer verläuft. So wird das Baby etwas später zum Sitzen oder Laufen kommen. Auch die Entwicklung der Sprache ist in der Regel verzögert. Es wird also viele Ziele später erreichen, aber es wird sie erreichen!

Das Erscheinungsbild von Menschen mit Down-Syndrom hat sich in den letzten fünfzehn Jahren grundlegend geändert. Ihre geistigen Fähigkeiten wurden in der Vergangenheit, und manchmal auch heute noch, unterschätzt. Heute wissen wir, dass Kinder mit Down-Syndrom erstaunlich lernfähig sind. Niemand kann genau sagen, wie groß ihr Entwicklungspotenzial tatsächlich ist.

Ein Leben so normal wie möglich

Lassen Sie Ihr Baby von Anfang an am Familienleben teilnehmen. Ziehen Sie sich nicht mit Ihrem Baby zurück, sondern besuchen Sie Freunde und Nachbarn. Erzählen Sie von Ihrem Kind. Außenstehende werden erleichtert sein, wenn sie sehen, wie natürlich Sie mit Ihrem Baby umgehen. Wenn Sie zeigen, dass Sie Ihr Baby lieben, dass Sie es so annehmen, wie es ist, dass Sie entschlossen sind, es zu begleiten und zu fördern, wird das anderen den Zugang zu Ihnen und Ihrem Kind erleichtern.

Und übrigens, das offene Lachen, das freundliche Wesen Ihres Kindes wird viele bezaubern.

Wer kann Ihnen und Ihrem Baby helfen?

Suchen Sie einen Kinderarzt oder eine Kinderärztin, zu dem/der Sie Vertrauen haben, der/die Ihrem Kind gegenüber offen ist und der/die über die medizinischen Besonderheiten bei Kindern mit Down-Syndrom informiert ist oder bereit ist, sich zu informieren.

Weil viele Babys mit Down-Syndrom sehr hypoton sind, bekommen sie meistens während der ersten Jahre Krankengymnastik. Eine Krankengymnastin wird mit Ihrem Baby üben und Sie anleiten, damit Sie die Übungen zu Hause selbst durchführen können.

In der Regel bekommen Kinder mit Down-Syndrom Frühförderung, viele schon von den ersten Monaten an. Nehmen Sie bald Kontakt auf zu einer Frühförderstelle in Ihrer Gegend.

Hilfe bei anderen Eltern

Sie werden bald merken, dass es viele Kinder mit Down-Syndrom gibt. Vielleicht finden Sie in Ihrer Nähe eine Familie, in der ein Kind mit Down-Syndrom lebt. Überall haben sich Eltern in Selbsthilfegruppen zusammengefunden. Sie treffen sich zum Erfahrungs- und Informationsaustausch. Sie setzen sich gemeinsam für bessere Lebensbedingungen ihrer Kinder ein.

Nehmen Sie Kontakt zu einer solchen Gruppe auf. Diese Eltern werden Sie besser als andere verstehen und Sie mit Ihren Sorgen und Ihrer Trauer ernst nehmen. Sie werden Ihnen helfen und Mut machen. Namen und Adressen von geeigneten, kompetenten Ärzten und Therapeuten erfragen Sie ebenfalls am besten bei einer Down-Syndrom-Elterninitiative vor Ort. Über das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter können Sie sich nach Adressen von Vereinen oder Ansprechpartnern in Ihrer Gegend erkundigen.

Positiv in die Zukunft

Sie können zuversichtlich sein. Das Leben mit Ihrem Kind mit Down-Syndrom ist nicht immer leicht, der Weg geht manchmal über Steine. Aber Sie können sicher sein, dass Ihr Baby zu einem glücklichen, selbstständigen Menschen heranwachsen kann, der seinen Platz in der Welt haben wird und als Erwachsene/r ein volles, glückliches Leben in der Gesellschaft führen kann.

Begleiten Sie es auf diesem Weg, versuchen Sie, gemeinsam mit ihm die Ziele, die Sie sich setzen, zu erreichen, sodass es Schritt für Schritt selbstständiger und unabhängiger wird. Sie werden unterwegs viele positive Erfahrungen machen, viele glückliche Momente erleben. Und Sie werden stolz auf Ihr Kind sein.

Erstinformationsmappe und weitere Informationen

Das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter hat eine Erstinformationsmappe zusammengestellt, mit detaillierten Informationen über das Entstehen der Trisomie 21 und deren Bedeutung für das Kind. Darüber hinaus gibt es Informationen über medizinische Besonderheiten, Förderung und Therapie, über Alltagssorgen und Lösungen etc.

Diese Mappe können Sie genau so wie eine Reihe weiterer Broschüren, Bücher, Videos, Poster und Plakate beim Deutschen Down-Syndrom InfoCenter bestellen. Auf unseren Internetseiten werden alle Publikationen vorgestellt, die Sie auch online bestellen können.

Um sich laufend über die aktuellen Entwicklungen zu informieren empfehlen wir Ihnen die Fachzeitschrift „Leben mit Down-Syndrom“. Sie wird hier ebenfalls vorgestellt.

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